{"id":129,"date":"2017-12-16T18:35:37","date_gmt":"2017-12-16T18:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.onliners.eu\/?page_id=129"},"modified":"2024-04-22T11:56:22","modified_gmt":"2024-04-22T11:56:22","slug":"lyrik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wp.onliners.eu\/?page_id=129","title":{"rendered":"Lyrik"},"content":{"rendered":"<p>Christus Velasquezs<br \/>\nEine blutige Linie auf seiner Brust<br \/>\nNasse Haare nach vorn fallend<br \/>\nVerlassen und m\u00fcde<br \/>\nGebeugter Kopf<br \/>\nSein blasser und erm\u00fcdeter K\u00f6rper<br \/>\nSchwarzer Hintergrund, fest und drohend<br \/>\nOder still und unbeweglich um Jesus Christus<br \/>\nDer keine S\u00fcnden mehr auf sich nehmen kann<br \/>\nChristus der tot ist und sich aufgab<br \/>\nDer die S\u00fcnden der Welt verga\u00df<br \/>\nIm Prado Museum, in Madrid<br \/>\nKea, 18.4.82<br \/>\n\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<br \/>\n*<br \/>\nDas Echo der Pferdehufe<br \/>\nEines Tages werden wir zusammen dorthin gehen<br \/>\nUm die Pinien von Mystras mit meinen Augen zu sehen<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Christus Velasquezs<\/strong><br \/>\nEine blutige Linie auf seiner Brust<br \/>\nNasse Haare nach vorn fallend<br \/>\nVerlassen und m\u00fcde<br \/>\nGebeugter Kopf<br \/>\nSein blasser und erm\u00fcdeter K\u00f6rper<br \/>\nSchwarzer Hintergrund, fest und drohend<br \/>\nOder still und unbeweglich um Jesus Christus<br \/>\nDer keine S\u00fcnden mehr auf sich nehmen kann<br \/>\nChristus der tot ist und sich aufgab<br \/>\nDer die S\u00fcnden der Welt verga\u00df<br \/>\nIm Prado Museum, in Madrid<br \/>\nKea, 18.4.82<br \/>\n<em>\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<\/em><br \/>\n*<br \/>\n<strong>Das Echo der Pferdehufe<\/strong><br \/>\nEines Tages werden wir zusammen dorthin gehen<br \/>\nUm die Pinien von Mystras mit meinen Augen zu sehen<br \/>\nDu wirst die roten Kirchen und Pal\u00e4ste sehen<br \/>\nIch war noch ein Kind als man mir das erste Mal davon erz\u00e4hlte<br \/>\nDass du, wenn du willst, immer noch in Mystras<br \/>\nDas Echo der Pferdehufe h\u00f6ren kannst<br \/>\nDie \u00fcber die Pflastersteine kraftvoll springen<br \/>\nW\u00e4hrend sie die Ritter der Villehardouin zur\u00fcck bringen<br \/>\nZu ihren Prinzessinen<br \/>\nIn ihren Sonnendurchfluteten Gem\u00e4chern<br \/>\nEines Tages werde ich dich mitnehmen nach Mystras<br \/>\nNiemand soll sterben ohne dieses Wunder zu sehen<br \/>\nEs wird Mittag sein und die Sonne wird von oben brennen<br \/>\nDu wirst diesen Ort mehr lieben in der Hitze des Tages<br \/>\nDie Sonne wird die Geschichte von Myzithras * erstrahlen lassen<br \/>\nSeine Byzantinischen Kuppeln werden noch mehr gl\u00e4nzen<br \/>\nIch werde dich eines Tages dorthin mitnehmen<br \/>\nUm das Tal unten zu sehen<br \/>\nUnd zu h\u00f6ren, wenn du kannst<br \/>\nDas Echo der Pferde<br \/>\n*Myzithras=Mystras<br \/>\n<em>\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<br \/>\n*<\/em><br \/>\n<strong>Der Strau\u00df<\/strong><br \/>\nDie Tiere Gottes haben auch Probleme<br \/>\nSie k\u00e4mpfen gegen einander, gegen Hitze und Hunger<br \/>\nDa ist ein Vogel der einem Kamel \u00e4hnelt<br \/>\nSeinen Kopf in den Sand gr\u00e4bt<br \/>\nOft haben Menschen auch die gleichen Qualen<br \/>\nEs ist ihnen hei\u00df, kalt und haben nichts zu Essen<br \/>\nUnd selbst wenn schlimme Gedanken ich aus meinem Hirn vertreiben m\u00f6chte<br \/>\nTr\u00e4ume ich von einem Loch im hei\u00dfen Sand, um meinen Kopf hineinzustecken<br \/>\nAthen, 29.1.1992<br \/>\n<em>\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<\/em><br \/>\n*<br \/>\n<strong>Die Iden des M\u00e4rz<\/strong><br \/>\nJedes Mal wenn der M\u00e4rz kommt<br \/>\nerinnere ich mich des Gedichtes von Kavafis<br \/>\nAn C\u00e4sar der gewarnt wurde,<br \/>\nWie schade, sage ich, dass f\u00fcr keinen von uns<br \/>\nEin Bote kommt um uns vom P\u00f6bel zu retten<br \/>\nUm uns ein Zeichen von Zukunft zu geben<br \/>\nWie schade, sage ich, dass wir als einfache Sterbliche<br \/>\nWeit entfernt von Gr\u00f6\u00dfe und siegreichen K\u00e4mpfen<br \/>\nVon r\u00f6mischen Triumphen in Hippodromen<br \/>\nAber wie gut dass wir keine Vorzeichen brauchen<br \/>\nUnd niemand uns dazu f\u00fcr f\u00e4hig h\u00e4lt<br \/>\nJedes Mal wenn der M\u00e4rz kommt<br \/>\nwei\u00df ich, dass in meinem Leben alles glatt geht<br \/>\nOhne Zeichen und wichtige Vorahnung<br \/>\nUnd wenn ich mich des Gedichts von Kavafis erinnere<br \/>\nfreue ich mich am Ende trotz des anf\u00e4nglichen Kummers<br \/>\nAthen, 5.3.1993<br \/>\n<em>-Der griechische Dichter Konstantinos Kavafis (1863\u20131933) schrieb ein Gedicht mit dem Titel &#8220;Die Iden des M\u00e4rz&#8221;.<br \/>\n\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<\/em><br \/>\n*<br \/>\n<strong>Ein Lied f\u00fcr Verdi und Pirandello<\/strong><br \/>\nAdieu Eleonora<br \/>\nkehren wir zur\u00fcck in unsere Berge<br \/>\nNach Jenseits<br \/>\nEs gibt dort manche Berge<br \/>\nmit Raum f\u00fcr uns alle<br \/>\nWenn Du kommst, wenn Du Dich entscheidest<br \/>\nwerde ich den ganzen Tag singen<br \/>\nIch werde nie mehr umher wandern um Dich zu suchen<br \/>\nWir werden uns lieben<br \/>\nimmer am gleichen Ort<br \/>\nAdieu Eleonora<br \/>\nIch wei\u00df nicht ob Du mit mir kommen kannst<br \/>\nDu bist hinter der Mauer aber ich kann Dich sehen<br \/>\nDeine Kraft wird innerhalb des Irdischen erl\u00f6schen<br \/>\nDiese Berge dort sind nicht f\u00fcr Dich<br \/>\nDu geh\u00f6rst mehr in diese Welt<br \/>\nIch muss alleine gehen<br \/>\nEtwas werde ich von Dir behalten<br \/>\nEtwas vom Strahlen deiner Augen<br \/>\nVon deiner ausweichenden, fl\u00fcchtigen Liebe<br \/>\nIn der alten Ruhe die ich vielleicht wieder finde.<br \/>\nAthen, 18.8.88<br \/>\n<em>-Leonora Addio ist der Titel einer Geschichte<br \/>\nPirandellos von &#8220;Novelle per un anno&#8221; und bezieht sich auf die Oper Verdis &#8220;La forza del destino&#8221;.<br \/>\n\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<\/em><br \/>\n*<br \/>\n<strong>La Serenissima<\/strong><br \/>\nSerenissima ist Venedig noch immer,<br \/>\nRuhig sind seine Pal\u00e4ste, seine Kirchen,<br \/>\nBesucher st\u00f6ren es nicht<br \/>\nWeder Regen, noch Sturm verwirren es<br \/>\nSerenissima bleibt es \u00fcber die Jahrhunderte<br \/>\nSeine Kuppeln glorifizieren Gott<br \/>\nDie Dogen und ihre Intrigen sind vergangen<br \/>\nNur ihre Segensspr\u00fcche haben die Zeit \u00fcberlebt<br \/>\nSerenissima f\u00fcr seine Einwohner und f\u00fcr Fremde<br \/>\nF\u00fcr alle die seine ewige Gr\u00f6\u00dfe erkennen k\u00f6nnen<br \/>\nIn den Kan\u00e4len, unter dem schmutzigen Wasser<br \/>\nHinter den Karnevalsmasken<br \/>\nSerenissima ist f\u00fcr mich Venedig<br \/>\nMehr und mehr liebe ich es<br \/>\nMit der Zeit kenne ich es weniger<br \/>\nDenoch lobe ich es immer mehr<br \/>\nIch f\u00fchle die allm\u00e4chtige Magie<br \/>\nSein Mythos dr\u00e4ngt sich mir auf<br \/>\nUnd auch die Realit\u00e4t von heute<br \/>\nIn der Tat bleibt Venedig immer noch die Serenissima<br \/>\n<em>\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<\/em><br \/>\n*<br \/>\n<strong>Noch ein R\u00f6mischer Fr\u00fchling<\/strong><br \/>\nNoch ein R\u00f6mischer Fr\u00fchling<br \/>\nJetzt ist die Zeit Roms<br \/>\nDer Fr\u00fchling der Borgate riecht<br \/>\nBis in die G\u00e4rten der Villa Borghese<br \/>\nDort ist die Sonne nicht l\u00e4rmend<br \/>\nSie scheint bescheiden, wie es dazu passt<br \/>\nZur sch\u00f6nen roten Farbe der Geb\u00e4ude<br \/>\nOh Rom Pasolinis, Moravias, mein Rom<br \/>\nAuf den Stra\u00dfen des Landes werden Artischocken verkauft<br \/>\nUnd der Mohn wird die Wiesen f\u00fcllen<br \/>\nDer Fr\u00fchling muss jetzt in Rom ante portas sein<br \/>\nAndere Leute werden es genie\u00dfen, nicht ich,<br \/>\nder ich vor Sehnsucht hier erkranke<br \/>\n<em>\u00dcbersetzt von Marion Schulz-Gahmen<br \/>\n*<\/em><br \/>\n<strong>Otto Dix, Goya und Munch<\/strong><br \/>\nDoch, es gibt auch diese Seite<br \/>\nOtto Dix, Goya und Munch<br \/>\nSaturn isst seine Kinder<br \/>\nUnd sie sind froh, weil sie wissen<br \/>\nDass das Leben ohnehin<br \/>\nEine schwarze Entt\u00e4uschung ist.<br \/>\n<em>Aus dem Gedichtband \u201cDer pr\u00e4historisch L\u00f6we von Kea\u201d<\/em><br \/>\n*<br \/>\n<strong>Ravenna 2<\/strong><br \/>\n&#8220;Heilige Lust aufs Leben<br \/>\nS\u00fc\u00dfe Venus von Rimmel&#8221;<br \/>\nSang ein Typ auf dem Trottoir<br \/>\ndieser wundersch\u00f6nen Stadt Ravenna<br \/>\nwo ich das Grab des g\u00f6ttlich inspirierten<br \/>\nDante gar nicht fand<br \/>\n\u201eHeilige Lust aufs Leben&#8221;<br \/>\nsang er, die Gitarre in den H\u00e4nden,<br \/>\nund ich gab ihm ein paar Lire<br \/>\nf\u00fcr das so sehr geliebte Lied<br \/>\nFrancescos, der so sehr geliebt<br \/>\nDer Stra\u00dfens\u00e4nger fand, das war zu wenig Geld<br \/>\nUnd recht hatte er, es war wirklich wenig<br \/>\nF\u00fcr ein Lied das zum Himmel hoch erklang<br \/>\n\u00fcber D\u00e4cher des byzantinischen Ravennas flog<br \/>\nUnd sich tief in Litos Herz einbohrte<br \/>\nDas doch voll an Kunst und so empfindsam war<br \/>\nbereits war sie bereit Land und ihre Leute aufzugeben<br \/>\ndort sich hinzugeben dem Gesang an dieser Stra\u00dfenecke<br \/>\nmit dem fremden S\u00e4nger singen bis in alle Ewigkeit<br \/>\nund den Passanten ihre M\u00fcnzen zu entlocken<br \/>\n<em>\u00dcbersetzt ins Deutsche von Paul Krieger<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christus Velasquezs Eine blutige Linie auf seiner Brust Nasse Haare nach vorn fallend Verlassen und m\u00fcde Gebeugter Kopf Sein blasser 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